Herbstveranstaltung von Haus und Grund Kirchheim

Wie können Vermieter die Bonität des Mieters prüfen, um sich vor Mietausfall und Mietnomaden zu schützen? Über dieses Thema referierte Jürgen Mayer, Vertriebsleiter für den Bereich Immobilienwirtschaft bei der SCHUFA Holding AG in Wiesbaden, bei der Herbstveranstaltung von Haus und Grund Kirchheim und Umgebung. Etwa 80 Interessierte konnten der Vorsitzende von Haus und Grund Kirchheim, Rechtsanwalt Reinhard Spieth, und der stellvertretende Vorsitzende, Gregor Küstermann, im Henninger Saal der Kreissparkasse begrüßen. Spieth zog Parallelen zwischen einem Vermieter und der Kreditvergabe bei den Banken. „Sparkassen und Volksbanken stellen den Kunden Gelder in Form von Krediten für eine bestimmte Zeit zur Verfügung,“ sagte Spieth. Sie gehen davon aus, dass die Kreditnehmer in der Lage und willens sind, das Geld zurückzuzahlen. In der gleichen Weise stellen Vermieter dem Mieter auf Zeit ihre Immobilie zur Verfügung. Es sei deshalb wichtig, dass die Vermieter die Bonität ihrer zukünftigen Mieter prüfen, stellte Spieth fest.

Jürgen Mayer, Diplom-Volkswirt, ist bei der SCHUFA für Auskünfte an die Immobilienwirtschaft zuständig, vorwiegend an die großen Wohnungsbaugesellschaften. Seit etwa zwei Jahren stellt die SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) auch privaten Haus- und Grundeigentümern von Haus und Grund Württemberg gegen eine Gebühr Informationen über die Bonität potenzieller Mieter zur Verfügung. Somit werden auch den privaten Vermietern Instrumente an die Hand gegeben werden, um die Identität und Bonität vor Mietvertragsabschlüssen zu prüfen, um sich dadurch vor Einmietbetrügern und Mietnomaden schützen zu können. Informationen über

67,5 Millionen Privatpersonen und 5,3 Millionen Firmen sind bei der SCHUFA gespeichert, informierte Jürgen Mayer die Anwesenden. Diese werden der Auskunftsdatei von Unternehmen wie Banken, Händlern, Telekommunikationsanbietern und Energieversorgern gemeldet.

Jürgen Mayer nannte exemplarisch einige positive Daten, die von der SCHUFA erhoben werden. Girokonten, Kreditkarten, Ratenkredite bilden zum Beispiel positive Merkmale, die die SCHUFA speichert. Negative Merkmale seien unter anderem die Abgabe von Vermögensauskünften im Rahmen eines Offenbarungseids, Privatinsolvenzen und Zwangsvollstreckungen. Die SCHUFA speichert keine Informationen über Vermögen, Kontostände, Einkommen usw. Mayer veranschaulichte den Vermietern, wie sie über die SCHUFA eine Bonitätsauskunft erhalten können. Mayer riet davon ab, sich ausschließlich auf die kostenlose Selbstauskunft des Mietinteressenten zu verlassen. Da die Selbstauskunft der SCHUFA ausschließlich zur persönlichen Information des Verbrauchers dient, ist sie nicht fälschungssicher und könnte vom Mietinteressenten manipuliert werden.

Die Auskunft, die der Vermieter über Haus und Grund Württemberg direkt bei der SCHUFA einholen kann, liefert dem Vermieter Informationen über das bisherige Zahlungsverhalten des Mietinteressenten. So kann der Vermieter sehen, ob der potenzielle Mieter in der Vergangenheit seinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen ist. Falls der SCHUFA eine Person unbekannt ist und weder positive noch negative Informationen vorliegen, sollten Vermieter die Angaben des Mieters genau prüfen. Mayer zeigte Fallbespiele auf, in denen Mietinteressenten ihre wahre Identität verschleierten und auf diese Weise erfolgreich ihren Einmietbetrug begehen konnten – mit erheblichen finanziellen Schäden für den Vermieter. Hätten in diesen Fällen die Vermieter eine Anfrage bei der SCHUFA durchgeführt, hätten sie die Information erhalten:“ Der SCHUFA ist die angefragte Person nicht bekannt. Wir raten Ihnen deshalb, ergänzende Erkundigungen einzuleiten.“ Mayer stellte ein weiteres SCHUFA-Produkt für Privatvermieter vor, welches diese über die Internetseite des Verlags für Hausbesitzer GmbH Stuttgart beziehen können. Mit der SCHUFA-Firmenauskunft kann die Bonität von Handwerkern, Bauunternehmern oder anderen Dienstleistern vor der Auftragsvergabe geprüft werden. Auch private Vermieter, die Gewerbeimmobilien vermieten, können sich so vor Zahlungsausfällen schützen. Das Besondere an der SCHUFA- Firmenauskunft: Informationen zum Unternehmen können mit Informationen zur Bonität von Inhabern und Geschäftsführung aus der Personendatenbank der SCHUFA kombiniert werden. Gerade kleine und mittelständische, inhabergeführte Unternehmen könne so zuverlässig geprüft werden, denn das private Finanzverhalten von Entscheidern und Inhabern hat einen starken Einfluss auf die finanzielle Lage des Unternehmens. Nachdem der Vortrag großes Interesse geweckt hatte, beantwortete der Experte im Anschluss noch zahlreiche Fragen der Anwesenden.

Peter Schuster