„Mein Schatz soll alles bekommen“

Frühzeitige Beschäftigung zum Thema: „Erben und Vererben“ verhindert Streit in den Familien. Haus und Grund Kirchheim Teck und Umgebung klärt auf und hilft bei der Fehlervermeidung

Ein brisantes Thema, das alle irgendwann betrifft, hatte sich diesmal Haus und Grund Kirchheim Teck und Umgebung, der Interessensverband der Grund- und Immobilieneigentümer im Rahmen ihrer jährlich stattfindenden Vortragsreihen ausgesucht und zu einem Informationsabend in die Stadthalle geladen. Entsprechend hoch war das Interesse der Zuhörerinnen und Zuhörer in der, bis auf den letzten Platz besetzten Stadthalle. Rechtsanwalt Pablo Most, der seinem Vater nach langjähriger Tätigkeit für Haus und Grund, nachgefolgt war, vermittelte die erbrechtlichen Grundlagen und gab Tipps zur Fehlervermeidung auf diesem komplexen Gebiet.

Eins war rasch klar, abwarten und nichts tun, sei regelmäßig eine schlechte Entscheidung. Sofern nichts geregelt sei, greife die gesetzliche Erbfolge. Der Nachlass ginge dann nach einem „Ordnungsprinzip“ an die nähere oder fernere Verwandtschaft. Dies sind meistens die eigenen Kinder und Enkel. Sind solche nicht vorhanden, könnten Teile des Erbes aber auch an die noch lebenden Eltern und deren Abkömmlinge gehen. Auch der Ehegatte wird gesetzlicher Erbe. Das Gesetz differenziere aber natürlich nicht danach, wie eng das Verhältnis zu den Kindern gewesen sei. Auch in Patchworkfamilien sei die gesetzliche Erbfolge häufig nicht interessengerecht.

„Durch ein Testament oder einen Erbvertrag lässt sich die gesetzliche Erbfolge verändern“, erklärte der Experte. Im deutschen Erbrecht bestünden eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten. Dabei sollte der Erblasser unbedingt Formfehler vermeiden. Zu einem handschriftlich verfassten Testament gehörte, dass es vollständig handschriftlich geschrieben und unterschrieben ist. Auch eine Datumsangabe sei hilfreich, denn grundsätzlich sei die allerneueste Fassung eines letzten Willens relevant. Auch Testierfähigkeit und Testierwille seien erforderlich. Darüber entbrenne in den Familien oft Streit. Deshalb sei es ratsam „frühzeitig sich dieses Themas anzunehmen“, berichtete der Fachmann. Je älter und kränker der Erblasser bei Errichtung gewesen sei, umso höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Erben seinen geistigen Zustand anzweifelten. Auch die Formulierung solle keine Rätsel aufgeben. Ein lässiges, auf einen Bierdeckel hingekritzeltes „mein Schatz soll alles erben“, rufe viele Schätzchen auf den Plan. Ob ein handschriftliches oder notarielles Testament sinnvoll sei, hänge von der jeweiligen Situation ab. Beide Formen haben Vor- und Nachteile.

Wer Erbschaftssteuern sparen will, sollte die steuerlichen Freibeträge ausschöpfen und über eine rechtzeitige Weitergabe an die nächste Generation nachdenken. Nach Ablauf einer zehn Jahres Frist steht der steuerliche Freibetrag erneut zur Verfügung. Diese beträgt bei Eheleuten 500 Tausend Euro, bei Kindern 400 Tausend Euro und bei Enkeln 200 Tausend Euro.

Mindestens genauso wichtig sei es, über eine General- und Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung nachzudenken. Letztere entlaste insbesondere auch die Angehörigen bei schwierigen Entscheidungen im Krankheitsfall.

In der sich anschließenden Fragestunde zeigten die vielen, auf individuelle Problemstellungen zugeschnittenen Fragen, dass das Thema bewegt und noch viel Klärungsbedarf aufgibt. Der Vorsitzende von Haus und Grund, Rechtsanwalt Reinhard Spieth zeigte sich sichtlich überwältigt, ob der großen unerwarteten Resonanz. Anschließend gab es im Foyer der Stadthalle bei Brezeln und kühlen Getränken noch einen regen Gedankenaustausch.